Dr. Magnus Weinberg – ein Oberpfälzer Rabbiner
Der 27. Januar ist der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Auch in der Oberpfalz wurden zahlreiche Menschen Opfer der NS-Diktatur. Der Oberpfälzer Rabbiner Dr. Magnus Menakhem Weinberg1 und seine Familie wurden Opfer der menschenverachtenden Politik der nationalsozialistischen Täter.
Die Oberpfalz hat eine lange Geschichte jüdischen Lebens, nicht nur in Städten wie Amberg, Sulzbach, Weiden, Schwandorf oder Regensburg sondern auch in kleineren Landgemeinden wie Floß oder Sulzbürg gab es jüdische Gemeinden.
Dr. Magnus Weinberg wurde am 13. Mai 1967 in Schenklengsfeld in Hessen als Sohn des Kaufmanns Hirsch Weinberg und seine Frau Rosalie Weinberg geboren. Hirsch Weinberg war, so legt es eine Stellenausschreibung für den die vakante Lehrer- und Kantorstelle in “Der Israelit” vom 10. November 1875 nahe, Vorsteher der Schenklengsfelder Gemeinde. Der Vater von Magnus Weingberg starb am 9. 10. 1905.

Magnus Steinberg studierte ab 1887 am orthodoxen Rabbinerseminar in Berlin und an der Friedrich Wilhelm Universität (heute Humboldt-Universität) Philosophie, Psychologie, Pädagogik und Ethik.2
Ab 1895 war Dr. Weinberg Distriktsrabbiner von Sulzbürg. Dr. Magnus Weinberg heiratete 1898 Judith Bamberger. Sie war die Tochter des Würzburger Rabbiners Nathan Bamberger und die Enkelin des bedeutenden orthodoxen Rabbiners Seligmann Bär Bamberger. Das Ehepaar Weinberg hatte fünf Kinder: Rosalie, Seligmann, Meta, Harry und Joseph.
In Sulzbürg bestand seit dem ausgehenden Mittelalter eine bedeutende Gemeinde. Nach der Vertreibung das der Oberpfalz 1556 siedelten sich in Sulzbürg, welches zur Freiherrschaft Wolfstein gehörte, Juden an. Die Freiherrn von Wolfstein gestatteten den Juden zwar keinen Grundbesitz, schränkten aber sonst weder die Religionsausübung, noch die Eheschließung ein.3 Erst 1740, nach dem Tod des letzten Grafen von Wolfstein, viel dessen Herrschaft und damit auch Sulzbürg an Kurbayern. Um 1850 umfasste die jüdische Gemeinde von Sulzbürg rund 300 Personen. Die ehemalige Synagoge befindet sich in der Engelgasse 14.4
Dr. Weinbergs Vorgänger in Suzlbürg, Dr. Mayer Löwenmayer, betreute auch die Gemeinden Thalmässing, Regensburg und ab 1868 die neu gegründete Gemeinde Neumarkt. Durch die Auswanderung von Sulzbürger Juden in die USA sowie deren Übersiedlung ab 18625 in das durch Eisenbahn und Industrie aufblühende Neumarkt, schrumpfte die Sulzbürger Gemeinde im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts drastisch. Deshalb wurde der Sitz des Distriktsrabbinats im Jahr 1910 von Sulzbürg nach Neumarkt verlegt.6
Sowohl in Suzlbürg, als auch später in Neumarkt und Regensburg war das Rabbinat von Dr. Weinberg durch stetige Spannungen zwischen liberalen und orthodoxen Gemeindemitgliedern geprägt. Dr. Weinberg vertrat eine orthodoxe Glaubens- und Religionsauffassung, was zu Konflikten führte. So bewarb er sich auch um die Betreuung der Gemeinde in Sulzbach, kritisierte aber, dass dort in der Synagoge ein Harmonium eingesetzt wurde. Daraufhin wurde er von der dortigen Gemeinde nicht berufen.

In Sulzbürg und später in Neumarkt wirkte Dr. Weinberg allerdings nicht nur als Rabbiner und Theologe, sondern war auch Teil der Stadtgesellschaft. Der Rabbiner, wie auch andere Mitglieder der jüdischen Gemeinde, waren etwa Mitglieder bürgerlicher Vereine. Dr. Weinberg übernahm 1920 sogar den Vorsitz des wieder gegründeten Neumarkter Schachvereins, dem er bis zu seinem Umzug nach Regensburg vorstand. Zu seinem 25jährigen Jubiläum im Rabbinatsbezirk erbot das Neumarkt Tagblatt dem “ehrwürdigen Jubilar” die herzlichsten Glückwünsche.7
Dr. Weinberg, der stark an historischer Forschung interessiert war und mehrere Bücher zur Geschichte der Juden in der Oberpfalz verfasst hat, war auch Gründungsmitglied des Historischen Vereins für Neumarkt und übernahm das Amt des Archivars. Dieses Amt legte er aber 1926 nieder, da er beim Verzeichnen der Neuzugänge für das Archiv auch den Nachlass des 1923 verstorbenen Antisemiten, “Parteidichters” und Chefredakteurs der NS-Propagandazeitung “Völkischer Beobachter”, Dietrich Eckart, bearbeiten sollte.
1931 wurde das Neumarkter und Regensburg Rabbinat vereinigt und Rabbi Weinberg zog nach der Amtsniederlegung des Regensburger Rabbiners Harry Levy, nach Regensburg um. Auch dort war er mit Spannungen zwischen liberalen und orthodoxen Teilen seiner Gemeinde konfrontiert.
Am 30. März 1933 wurde Rabbi Weinberg in Regensburg erstmals mit 100 weiteren Gemeindemitgliedern verhaftet. 1935 ging er mit 68 Jahren in den Ruhestand und zog nach Würzburg, woher seine Frau Judith Bamberger stammte.
Am 23. September 1942 wurde das Ehepaar Weinberg zusammen mit 562 Würzburger Juden ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Judith Weinberg starb am 28. Dezember 1942 in Theresienstadt. Rabbi Weinberg starb am 12. Februar 1943 ebenfalls in Theresienstadt. Weinbergs Sohn Joseph wurde im April 1943 in Belgien auf dem Transport in das KZ Auschwitz von den Nazis erschossen. Weinbergs Tochter Rosalie, deren Mann und Weinbergs Enkel starben im KZ Bergen-Belsen. Weinbergs Schwester Zerline Eppstein und sein Halbbruder Hermann Weinberg wurden ebenfalls in Theresienstadt ermordet.
- Siehe: Magnus Weinberg. Auf: https://collections.yadvashem.org/en/names/1229179, Stand 27.01.2026. ↩︎
- Pomerance, Aubrey: Rabbiner Magnus Weinberg, Chronist jüdischen Lebens in der Oberpfalz. In: Brenner, Michael (Hg.), Renate Höpfinger (Hg.): Die Juden in der Oberpfalz, München 2008, S. 139–157. ↩︎
- O.A.: Gemeinde Sulzbürg. Auf: https://hdbg.eu/juedisches_leben/gemeinde/sulzbuerg/626, Stand 27.01.2026. ↩︎
- Hans Georg Hirn: Jüdisches Leben in Neumarkt und Sulzbürg. Neumarkt i. d. OPf. 2011. ↩︎
- Die ersten Ansässigmachungsgesuche in Neumarkt wurden von Salomon und Wolf Oettinger gestellt. Beide Gesuche wurden vom Magistrat abgelehnt. Beide Brüder beschritten den Rechtsweg und legten bei der Regierung von Oberpfalz Widerspruch ein, dem stattgegeben wurde. ↩︎
- Das Sulzbürger Anwesen mit der Hausnummer 102 (heute: Vorderer Berg 6) wurde in den 1920er Jahren von der israelitischen Jugendorganisation ESRA als Erholungsheimfür Kinder aus Nürnberg und Fürth genutzt. Unter ihnen befand sich in den Jahren 1927 bis 1930 auch der spätere US-Außenminister Henry Kissinger, ein gebürtiger Fürther. Vgl.: O.A.: Gemeinde Sulzbürg. Auf: https://hdbg.eu/juedisches_leben/gemeinde/sulzbuerg/626, Stand 27.01.2026. ↩︎
- Hans Georg Hirn: Jüdisches Leben in Neumarkt und Sulzbürg. Neumarkt i. d. OPf. 2011, S. 218. ↩︎

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