Mehr Aufenthaltsqualität im FMO: der neue Brotzeitstadel

Der neue Brotzeitstadel auf dem Vorplatz. (Ansicht von Westen, Entwurf: André Ries)

Das Freilandmuseum Oberpfalz begreift sich nicht nur als Museum, das sammelt, bewahrt, erforscht und vermittelt, sondern auch als einen Ort der Kommunikation, des Diskurses und des gesellschaftlichen Miteinanders. Um diesen Anspruch zu erfüllen, muss ein Freilandmuseum den Besucher*Innen auch eine hohe Aufenthaltsqualität bieten. Deshalb gehören nicht nur Depots, Werkstätten, Verwaltungsgebäude, ein Museumsgelände und Ausstellungsflächen sondern auch eine an den Bedürfnissen der Besuchenden ausgerichtete Museumsgastronomie zur essentiellen musealen Infrastruktur.

In den vergangenen Jahren wurden eine Reihe von Anstrengungen unternommen, um das Museumswirtshaus Unterbürg zukunftsfähig zu machen. So ist etwa seit der Brandschutzertüchtigung nicht nur die Sicherheit generell verbessert, sondern kann auch das Obergeschoss aufgrund des neu geschaffenen zweiten Flucht- und Rettungsweges für Veranstaltungen genutzt werden. Zudem erhielt das Wirtshaus ein neues Nebengebäude mit einer komplett neuen Küche, so dass in Zukunft auch gekocht werden kann.

Allerdings ist das historische Wirtshaus Unterbürg mit seinem schattigen Biergarten vom Eingang aus gesehen am anderen Ende des Museumsgeländes und deshalb z.B. für ältere Menschen oder Menschen mit Behinderung aufgrund der Entfernung und der zu überwindenden Steigungen nur schwer oder gar nicht erreichbar. Auch Besucherinnen und Besucher, welche an Bildungsveranstaltungen in unseren Tagungsräumen teilnehmen, oder Schülerinnen und Schüler haben oft aufgrund des engen Zeitplans keine Möglichkeit, den Weg in das Wirtshaus Unterbürg zu gehen.

Vorentwurf des neuen Gastrostadels. Hier wurde geprüft, ob eine Verglasung der Fassade eine stimmige Lösung darstellt. Dies Verglasung ist aber mittlerweile nicht mehr Teil des Entwurfs. (Entwurf: André Ries)
Visualisierung des Vorentwurfs des neuen Gastrostadels. Hier wurde geprüft, ob eine Verglasung der Fassade eine stimmige Lösung darstellt. Dies Verglasung ist mittlerweile nicht mehr Teil des Entwurfs ebenso wie die Freisitze. (Entwurf: André Ries)

Deshalb soll zukünftig ein überschaubares gastronomisches Angebot bestehend aus Getränken und Imbiss im Eingangsbereich eingerichtet werden. Dafür möchte das Museum in einem kleinen Pavillon, den so genannten “Brotzeitstadel”, eine Selbstbedienungsgastronomie auf dem Vorplatz des Verwaltungsgebäudes errichten. Zudem soll eine Art Schaufenster oder eine Theke für regional und nachhaltig hergestellte Lebensmittel aus der Oberpfalz, vom Karpfen über Bier bis zum Knödelteig, integriert werden, um den rund 60.000 Besuchern des Museums die Vielfalt der heimisch hergestellten Produkte zu vermitteln.

Die Entwurfsplanung sieht – auch aufgrund des engen Kostenrahmens – vor, den Brotzeitstadel nach dem Prinzip des “Haus im Haus” zu errichten. Als Gebäudehülle und Witterungsschutz dient ein historischer Stadel, der in den Hof des Eingangsensembles transloziert wird. Ein kompakter Baukörper in Holzrahmenbauweise soll danach in den Stadel eingebaut werden. Der innere Baukörper beeinhaltet die technische Ausstattung und die funktionalen Elemente des Gebäudes. Da der translozierte Stadel nur als Hülle und Witterungsschutz dient, kann er originalgetreu erhalten werden. Die Holzverschalung kann geöffnet werden, damit bei Betrieb eine gute Belichtung erreicht werden kann und sich das Gebäude den Gästen auch optisch öffnet und einladen wirkt.

Die Kosten für das gesamte Projekt belaufen sich nach der derzeitig vorliegenden Kostenschätzung auf insgesamt 224.000€. Das Projekt wird im Rahmen einer Fraktionsinitiative der Regierungsparteien im Bayerischen Landtag (CSU und Freie Wähler), welche auf Initiative von Martin Scharf MdL eingebracht wurde, mit 200.000€ bezuschusst.

Dr. Tobias Hammerl

Tobias Hammerl, Dr. phil., M.A., geboren 1977, leitet seit 2020 das Freilandmuseum Oberpfalz. Er studierte Volkskunde, Scottish Ethnology, Geschichte und Kunstgeschichte an den Universitäten Regensburg und Edinburgh. Von 2006 bis 2019 war er Leiter des Stadtmuseums Abensberg. Er nahm in der Vergangenheit Lehraufträge an der Universität Passau wahr und war Gastdozent an der Universität Würzburg. Derzeit ist er Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Vergleichende Kulturwissenschaft an der Universität Regensburg und an der Fakultät für Architektur der OTH Regensburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind Spiel-, Bild- und Sachkulturforschung sowie museologische Themen.

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